Dienstag, 10. Oktober 2017

Ein Jahr Hamburg

Heute sind wir genau ein Jahr im strahlend grauen Norden Deutschlands. Es ist definitiv ein großer Schritt, die Zelte in der Heimat, in der man aufgewachsen ist, in der man jede Ecke, jeden Winkel kennt, abzubrechen und 752km in den Norden zu ziehen. Doch die Entscheidung war bereits klar, als es das erste Mal gesagt wurde. Wenn du hier bist, bin ich es auch. 


Es ist witzig, im Nachhinein Zeichen zu entdecken, dass Hamburg für mich die richtige Wahl war. Zufällig habe ich vor ein paar Monaten einen Eintrag in meinem Reisetagebuch von der Asienreise entdeckt, dass ich überlegt hatte, irgendwann nach HH zu ziehen, da „die Menschen im Norden mir glücklicher erscheinen und das Meer direkt vor meiner Nase ist.“ Funfact: das Meer war tatsächlich auch ein Pro für HH, seitdem war ich genau 10 Minuten letzten Winter am Meer um ein Fischbrötchen zu kaufen :D

Eine Kollegin in meinem ersten Job in Hamburg meinte, dass es ein Jahr braucht, sich in einer neuen Stadt einzuleben. Daher möchte ich dieses „Jubiläum“ nutzen, Erkenntnisse und Gedanken zum vergangenen Jahr festzuhalten. Dinge, die ich gelernt habe, Dinge, die sich verändert haben und Dinge, die immer gleich bleiben würden.



Bevor wir unsere Heimat verlassen haben, war meine größte Angst, wie sich die Entfernung auf meine frischen aber doch tiefen Freundschaften zuhause auswirken würde. Nun, der Kern ist der gleiche, der einzige Unterschied ist die riesige Freude, wenn man sich nach Monaten endlich wieder in den Armen liegt. Wie heißt es so schön: Freunde sind wie Sterne, du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da. Kitschig aber wahr.



Die ersten Monate waren anstrengend, sehr, sehr anstrengend. Zu zweit in einer riesigen Stadt, nur zwei andere Menschen, die ich halbwegs kannte. Dafür hat sich ein „seit 2005 aus der Schule mehr oder weniger flüchtig kennen“ in eine Freundschaft verwandelt. Danke J
Wenn man nichts kennt und es Winter ist, verlässt man selten das Haus. Es ist schön, gemeinsam die Zeit kuschelnd und Filme schauend in der gemeinsamen Wohnung zu verbringen. Aber Routine schleicht sich leider viel zu schnell ein und das fehlende Sozialleben außerhalb der Beziehung macht sich auch früher oder später bemerkbar. Es war schön, wie es war, doch würde ich es vermutlich nicht noch einmal so machen wollen. Ich würde mir für mich selbst wünschen, mich mehr darauf einzulassen, die neuen Chancen zu nutzen, anstatt der Vergangenheit daheim nachzuweinen. Wie Herr Coelho schon sagte, Vergangenheit und Zukunft existieren nicht; glücklich ist der, der in der Gegenwart lebt.


Sowohl meine berufliche als auch meine freundschaftliche Entwicklung in HH ist durch viele schicksalhafte Ereignisse entstanden. Den ersten Job bekam ich bei einer Zeitarbeitsfirma in der Gastronomie, die ursprünglich nahe meines 800km entfernten Geburtsortes gegründet wurde und die ich bereits aus meinem alten Job in Augsburg kannte. Dadurch bin ich in einem Seniorenheim als Servicekraft gelandet, in dem ich später ein 4-wöchiges Pflegepraktikum als Grundlage für die geplante Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegering absolvierte. Gleichzeitig wurde ich durch die Zeitarbeit bei verschiedensten Events eingesetzt, u.a. bei einer Weihnachtsfeier einer großen Modekette, bei der ich meine erste Freundin in HH kennenlernte. Wir haben uns zwar erst Monate später wieder getroffen und richtig kennengelernt, aber ein wunderschönes Wochenende zusammen verbracht, das mir durch Zufall eine vertraute Seele zuspielte, die nun meine wichtigste Bezugsperson in HH ist <3 es ist definitiv eine Seltenheit, eine nerdige Hexe mit Ring, der das wahre Alter verbirgt, zu finden ;)

Im April habe ich meine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen und auch hier wird immer deutlicher, dass ich damit meinem Lebensweg folge. Auch hier habe ich eine Hand voll toller Freunde gefunden, die mir mein Leben in HH wesentlich angenehmer machen <3


Was sich auf jeden Fall auch erstaunlich ins Positive verändert hat, ist das Reisen innerhalb Deutschlands. Damit meine ich nicht nur nach Hause fahren, sondern auch andere Städte erkunden und Freunde besuchen, die weiter weg leben. Wir hatten uns vorgenommen, so viele Städte im Norden zu erkunden, wie nur möglich, wenn man schon so nah dran wohnt. So waren wir dieses Jahr zweimal in Berlin, ich hab eine Freundin in Braunschweig besucht und wir haben einen Tagesausflug nach Bremen unternommen; die alljährliche Tour nach Frankfurt war vor drei Wochen.


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