Heute sind wir genau ein
Jahr im strahlend grauen Norden Deutschlands. Es ist definitiv ein großer
Schritt, die Zelte in der Heimat, in der man aufgewachsen ist, in der man jede
Ecke, jeden Winkel kennt, abzubrechen und 752km in den Norden zu ziehen. Doch die Entscheidung
war bereits klar, als es das erste Mal gesagt wurde. Wenn du hier bist, bin ich es
auch.
Es ist witzig, im
Nachhinein Zeichen zu entdecken, dass Hamburg für mich die richtige Wahl war.
Zufällig habe ich vor ein paar Monaten einen Eintrag in meinem Reisetagebuch
von der Asienreise entdeckt, dass ich überlegt hatte, irgendwann nach HH zu
ziehen, da „die Menschen im Norden mir glücklicher erscheinen und das Meer
direkt vor meiner Nase ist.“ Funfact: das Meer war tatsächlich auch ein Pro für
HH, seitdem war ich genau 10 Minuten letzten Winter am Meer um ein
Fischbrötchen zu kaufen :D
Eine Kollegin in meinem
ersten Job in Hamburg meinte, dass es ein Jahr braucht, sich in einer neuen
Stadt einzuleben. Daher möchte ich dieses „Jubiläum“ nutzen, Erkenntnisse und
Gedanken zum vergangenen Jahr festzuhalten. Dinge, die ich gelernt habe, Dinge,
die sich verändert haben und Dinge, die immer gleich bleiben würden.
Bevor wir unsere Heimat
verlassen haben, war meine größte Angst, wie sich die Entfernung auf meine frischen
aber doch tiefen Freundschaften zuhause auswirken würde. Nun, der Kern ist der
gleiche, der einzige Unterschied ist die riesige Freude, wenn man sich nach
Monaten endlich wieder in den Armen liegt. Wie heißt es so schön: Freunde sind
wie Sterne, du kannst sie nicht immer sehen, aber sie sind immer da. Kitschig
aber wahr.
Die ersten Monate waren
anstrengend, sehr, sehr anstrengend. Zu zweit in einer riesigen Stadt, nur zwei
andere Menschen, die ich halbwegs kannte. Dafür hat sich ein „seit 2005 aus der
Schule mehr oder weniger flüchtig kennen“ in eine Freundschaft verwandelt.
Danke J
Wenn man nichts kennt und
es Winter ist, verlässt man selten das Haus. Es ist schön, gemeinsam die Zeit
kuschelnd und Filme schauend in der gemeinsamen Wohnung zu verbringen. Aber
Routine schleicht sich leider viel zu schnell ein und das fehlende Sozialleben
außerhalb der Beziehung macht sich auch früher oder später bemerkbar. Es war
schön, wie es war, doch würde ich es vermutlich nicht noch einmal so machen
wollen. Ich würde mir für mich selbst wünschen, mich mehr darauf einzulassen,
die neuen Chancen zu nutzen, anstatt der Vergangenheit daheim nachzuweinen. Wie
Herr Coelho schon sagte, Vergangenheit und Zukunft existieren nicht; glücklich
ist der, der in der Gegenwart lebt.
Sowohl meine berufliche als
auch meine freundschaftliche Entwicklung in HH ist durch viele schicksalhafte
Ereignisse entstanden. Den ersten Job bekam ich bei einer Zeitarbeitsfirma in
der Gastronomie, die ursprünglich nahe meines 800km entfernten Geburtsortes
gegründet wurde und die ich bereits aus meinem alten Job in Augsburg kannte.
Dadurch bin ich in einem Seniorenheim als Servicekraft gelandet, in dem ich
später ein 4-wöchiges Pflegepraktikum als Grundlage für die geplante Ausbildung
zur Gesundheits- und Krankenpflegering absolvierte. Gleichzeitig wurde ich
durch die Zeitarbeit bei verschiedensten Events eingesetzt, u.a. bei einer
Weihnachtsfeier einer großen Modekette, bei der ich meine erste Freundin in HH
kennenlernte. Wir haben uns zwar erst Monate später wieder getroffen und
richtig kennengelernt, aber ein wunderschönes Wochenende zusammen verbracht,
das mir durch Zufall eine vertraute Seele zuspielte, die nun meine wichtigste
Bezugsperson in HH ist <3 es ist definitiv eine Seltenheit, eine nerdige
Hexe mit Ring, der das wahre Alter verbirgt, zu finden ;)
Im April habe ich meine
Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begonnen und auch hier wird
immer deutlicher, dass ich damit meinem Lebensweg folge. Auch hier habe ich
eine Hand voll toller Freunde gefunden, die mir mein Leben in HH wesentlich
angenehmer machen <3
Was sich auf jeden Fall
auch erstaunlich ins Positive verändert hat, ist das Reisen innerhalb
Deutschlands. Damit meine ich nicht nur nach Hause fahren, sondern auch andere
Städte erkunden und Freunde besuchen, die weiter weg leben. Wir hatten uns
vorgenommen, so viele Städte im Norden zu erkunden, wie nur möglich, wenn man
schon so nah dran wohnt. So waren wir dieses Jahr zweimal in Berlin, ich hab
eine Freundin in Braunschweig besucht und wir haben einen Tagesausflug nach
Bremen unternommen; die alljährliche Tour nach Frankfurt war vor drei Wochen.





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